Auf 13 Metern Transatlantik-Segeln nach Europa

Endlich, einmal Transatlantik von West nach Ost! So lange wie die Überquerung gedauert hat wird auch dieser Beitrag sein. Am 1. Mai 2018 ging es für mich (Jean) von San Juan nach Nanny Cay auf Tortola (einer Insel der British Virgin Islands). Insgesamt hat die Überquerung mit allen Ihren Etappen, Stops und Inseltouren, die vom World Cruising Club im Rahmen der ARC Europe (Atlantic Rallye for Cruisers) organisiert wurden, gute 6 Wochen gedauert. Gesegelt wurden davon ungefähr 25 Tage (also wirklich 24h am Tag!). Mehr dazu aber im Verlauf dieses Marathon-Artikels.

Wie ich zur Überquerung mit dem Boot „La Capitana“ gekommen bin

Bereits vom Anfang der Reise stand zumindest für mich fest, dass, wenn sich irgendwie die Möglichkeit bietet über den Atlantik von der Karibik aus nach Europa zu segeln, ich diese Chance nutzen möchte. Mitte April bis Ende Mai ist passenderweise auch die „Haupt-Saison“ für viele Segler diese Strecke zu segeln, da man so zu Beginn der Hurrikane-Saison welche im Juni/Juli teilweise schon beginnt, die Karibik verlässt und zum Sommerbeginn im Mittelmeer oder dem englischen Kanal (ob es hier wirklich Sommer gibt, bezweifle ich zwar) sein kann. Viele Boote treten diese Reise auf „eigene Faust“ an, andere schließen sich einer Rallye an, wie zum Beispiel der ARC Europe, welche ein Ableger der ursprünglichen und vielleicht wesentlich bekannteren Atlantic Rallye for Cruisers ist, mit welcher jedes Jahr im November mehr als 200 Boote in die entgegengesetzte Richtung von Las Palmas auf den Kanaren nach Saint Lucia in der Karibik segeln.

Kontakt zum Skipper Jan und seiner Frau Pirjo (gebürtige Finnen, aber zuletzt – wegen des besseren Wetters –  in Portugal wohnhaft) fand ich über das Internetportal findacrew.net, über welches wir schon erfolgreich unsere Mitsegelgelegenheit in Indonesien (Sail 2 Indonesie Teil 1 und Sail to Indonesia Teil 2) gefunden hatten. Nach kurzen hin und her schreiben im Februar entschied ich mich dafür Jan für die Atlantiküberquerung zu zu sagen.

Und so ging es nun am 1. Mai mit dem wohl bisher kleinsten Flugzeug dieser Reise von intercarribean Airlines von San Juan nach Tortola. Es hätten wohl ungefähr 20 Personen im Flieger platz gehabt, belegt waren allerdings nur 7 Plätze. Der Abflug verzögerte sich um etwa eine Stunde, als bereits alle Passagiere Platz genommen hatten, kamen der Kapitän und Co-Pilot mit Fastford-Tüten und Getränkebechern ins Cockpit geschlendert…ja, dafür muss Zeit sein, wenn der Boardservice nicht so prächtig ausfällt wie bei den großen Airlines.

Mit dem kleinsten Flugzeug bisher, ging es nach Tortola
Mit dem kleinsten Flugzeug bisher, ging es nach Tortola
Mit großen Schritten (und noch in Flip-Flops) nach Europa
Mit großen Schritten (und noch in Flip-Flops) nach Europa

 

Nach dem Hurrikane auf die British Virgin Islands

Der Flug war erstaunlich ruhig für so ein kleines Flugzeug. Auch die Einreise lief schnell und freundlich ab. Es kamen ja auch nur eine gute Handvoll Menschen mit dem gleichen Flieger an. Öffentlicher Transport ist wenig vorhanden, so entschied ich mit kurzerhand mit dem Taxi von Beef-Island, der kleinen Nachbarinsel auf der sich der Flughafen von Tortola befindet, mit einem Taxi über die Brücke nach Nanny Cay zu fahren. Dort sollte, wie mir bereits zwei Tage zuvor geschrieben wurde, „La Capitana“ auf mich wartend in der Marina liegen.

Bereits vor meiner Ankunft hier, hatte ich mich gefragt, wie gebeutelt die Insel wohl aussägen mag, nachdem sie im Herbst 2017 von den starken Hurrikanes Irma und Maria verwüstet wurde. Bereits auf der Internetseite der Marina in Nanny Cay wurde berichtet, dass das alte Hafenbecken komplett verwüstet ist und mit neuen Steganlagen ausgestattet werden muss. Das neue äußere Hafenbecken, in welchem die ARC Flotte liegt, sollte allerdings in gutem Zustand sein. Bereits während der Taxifahrt, konnte ich Teile der Verwüstung sehen: vor allem viele an Land gespülte und teilweise zerstörte Yachten als auch teilweise große Stahltribünen vom örtlichen Station, welche einfach zusammengeknickt waren. Der Taxifahrer fragte mich direkt, ob ich auch gekommen wäre um ein havariertes Boot günstig für 1000 Dollar kaufen möchte, er könnte gerne vermitteln. Und so stellte er mir während der knapp 20 minütigen Fahrt immer mal wieder eines der am Ufer liegenden Boote vor, wem es gehörte und für wie viel ich es kaufen könnte sowie welche kleinen Reparaturen zu erledigen wären.

Auch auf der Werft sind noch die kleinen und größeren Schäden nach den Hurrikanes des vergangenes Herbst zu sehen
Auch auf der Werft sind noch die kleinen und größeren Schäden nach den Hurrikanes des vergangenes Herbst zu sehen

In der Marina angekommen fand ich ziemlich schnell zum meinem Zuhause für die nächsten 6 Wochen und wurde wirklich herzlich von den beiden Finnen begrüßt. Natürlich hatte ich mich vorbereitet und konnte mich mit einem Kiitos für das mir angebotene Bier bedanken.

Mit "La Capitana" wird es über den Atlantik "gehen"
Mit „La Capitana“ wird es über den Atlantik „gehen“

Viele Vorbereitungen waren auf La Capitana nicht mehr zu erledigen, da die beiden wirklich gut vorbereitet waren, da sie bereits zuvor dreimal mit Ihrem Boot den Atlantik überquert hatten und zudem viele Wartungsarbeiten bereits auf Saint Martin erledigt hatten, bevor sie in die BVI’s kamen. So konnten wir nochmal richtig die letzten Tage in der Karibik genießen und vom Cockpit aus zuschauen, wie andere Crewmitglieder am Steg noch ordentlich zu tun hatten.

Von der Rallye-Leitung wurden mehrere Seminare zum Thema Sicherheit angeboten, ein besonders spaßiger Teil war das Ausprobieren einer Rettungsinsel im Pool. Sicherlich auch nur im Pool spaßig, da es unter dem Plastikzelt dann doch recht schnell sehr stickig wird.

Ein bisschen Safety-Training vom World Cruising Club im Pool
Ein bisschen Safety-Training vom World Cruising Club im Pool

Jeder Start der nun folgenden „großen“ Etappen BVI – Bermuda, Bermuda – Azoren und Azoren – Portugal erfolgt in echter Rennmanier. Über eine halbe Stunde vor Start legen alle Yachten ab, vor dem Hafen setzen alle Ihr Großsegel und versuchen in eine Möglichst gute Position vor der Startlinie, welche meist durch eine Boje und einem kleinen Schlauchboot markiert ist zu kommen, sodass sie punktgenau zum Startzeitpunkt (meistens 11 Uhr morgens) mit voller Fahrt über die Linie fahren. Auch wenn während sämtlichen Briefings im Vorfeld stets erwähnt wurde: it a Rallye and not a race, konnte man doch gerade bei jedem Start den Ehrgeiz aller Crews erkennen. Unser Boote war: we are not racing, we want to enjoy the Journey. So wurden alle Entscheidungen von Skipper Jan stets zugunsten von Komfort und Sicherheit und nicht zum Geschwindigkeitsvorteil getroffen, was doch besonders im Nachhinein wirklich eine gute Sache war. Zum ersten Start manövrierte uns Jan in eine Spitzenposition, sodass wir anschließend einige Yachten „vorbeigelassen“ haben und einige gute Fotos machen konnten.

Nanny Cay hinter uns, fünf Tage segeln vor uns
Nanny Cay hinter uns, fünf Tage segeln vor uns

 

We are not racing to Bermuda

Das Wetter und insbesondere der Wind sollten währende der für uns fünf Tage dauernden Überfahrt nach Bermuda recht konstant sein. Wie es Murphys Gesetz möchte, war natürlich gleich der erste Tag der Wind und wellenreichste. Aufgrund des von Ost nach Süd drehenden Windes über den Verlauf der nächsten Tage entschieden wir uns einen kleinen Bogen Richtung West zu fahren und nicht direkt nach Nord, was wirklich der direkteste Weg gewesen wäre. So konnten wir anfangs etwas weniger hoch an dem Wind fahren, was deutlich komfortabler ist und gegen Ende leicht von der Seite hinten bekommen anstatt direkt von hinten, was gerade bei etwas leichterem Wind etwas mehr Geschwindigkeit bringt.

Dadurch das sich der Wind nur gemächlich änderte war wenig Einsatz beim Segeltrimm gefordert. Zudem wurden die Wellen auch nach den ersten 24 Stunden weniger, sodass wir essenmäßig auch von Sandwiches auf gekochtes Essen umsteigen konnten. Während der meisten Zeit konnten wir auch nachts noch in Shorts und T-Shirts draußen sitzen, wenn nicht gerade wie während des ersten Tages viel Wasser ins Boot spritzte. Die Wassertemperatur änderte sich trotz der guten Strecke die wir nach Norden zurücklegten nur von 26 Grad auf 24 Grad. Man konnte also noch nicht meckern.

Gegen Abend des fünften Tages kam Bermuda in Sicht und gerade zum Einbruch der Dunkelheit konnten wir in die Lagune fahren und am Customs und Immigration Steg festmachen. Die Formalitäten wurden von den Beamten hier noch sehr genau genommen, sodass wir wirklich unsere gelbe Quarantäne flaggen auf Anweisung noch wie zu den Piratenzeiten hissen mussten, um klar zu machen, dass unsere Crew noch nicht auf ansteckende Krankheiten untersucht wurde. Wurden wir natürlich auch später nicht, aber den Behörden gehorcht man halt 😉

Saint Georges liegt ziemlich geschützt an einer Lagune zwischen den Inseln Bermudas
Saint Georges liegt ziemlich geschützt an einer Lagune zwischen den Inseln Bermudas

 

Rumlaufen, rumliegen, rumstehen, Rum trinken auf Bermuda

Hier auf Bermuda sollte, sich die Anzahl der Yachten von knapp 20 auf fast 30 noch einmal erhöhen, da die Rallye hier mit Booten, die in den Vereinigten Staaten, losgesegelt sind vereinigen sollte. So war für dieses Zusammentreffen mit sechs Tagen einiges an Zeit eingeplant. Wir hatten keine größeren Schäden, einzig ein Chromrohr unseren Sonnenschutzes ging in den Wellen verloren, sodass der örtliche Segelmacher hier Ersatz anfertigen musste. Andere Yachten hatten dringendere Arbeiten wie beschädigte Segel oder Riggs, welche weniger durch das Wetter an sich als durch kleine Unaufmerksamkeiten der Crews verursacht wurden. So waren die Tage auf Bermuda recht müßig, ein kleiner Rundgang durch die unter UNSECO Kulturerbe stehende Stadt von Saint Georges, ein kleiner Schnorchelausflug in die Tobacco Bay, Goslings Rumverkostung im Dingy Sports Club, dem örtlichen Segelverein – ein letztes Mal also den karibischen Lifestyle auskosten. Und natürlich mehrere Dark’n’Stormys kosten.

Am 16. Mai ging es nun los zur eigentlichen Atlantik-Überquerung. Der Start wurde im inneren der Lagune ausgeführt, zwar in zwei Gruppen, allerdings mussten sich anschließend alle Boote unter Segeln durch die schmale Ausfährt fädeln. Das war wirklich ein Highlight, zumal man sich auf dem Ozean ja recht schnell aus den Augen verliert und selten wirklich so nah an den anderen Booten dran ist. Vor uns lagen nun 1.800 Seemeilen also über 3.000 Kilometer freie Fahrt über den Atlantik ohne Möglichkeit zu stoppen. Für uns sollten es nach Plan circa 12 Tage sein bis wir in Horta auf Faial der westlichsten Insel der Azoren ankommen sollten.

Gestartet wurde im inneren der Lagune...und es gab wirklich keinen Crash in der schmalen Ausfahrt ;)
Gestartet wurde im inneren der Lagune…und es gab wirklich keinen Crash in der schmalen Ausfahrt 😉

 

We are still not racing – 12 Tage zu den Azoren

Auf dieser langen Strecke im nördlichen Teil des Atlantiks, hat man, obwohl alle Yachten am selben Ort starten und ankommen, doch einiges an Auswahl, was die genaue Route angeht. Viele ambitioniertere Crews wählten einen nördlicheren Kurs, sie erreichten bereits 3 bis 4 Tage nach der Abfahrt, die geographische Breite auf der die Azoren liegen von 38 Grad Nord. Dort segelt man besonders mit der Gefahr von einem Teifdruckgebiet und damit starkem Wind erwischt zu werden. Wir wählten eine südlichere Route, die ungefähr auf dem Großkreis, also der kürzesten Verbindung zwischen zwei Punkten auf einer Kugel, verlief. Dort herrscht eher die „Gefahr“, dass man in Flauten gerät, welche man entweder aussitzen muss oder mit dem Motor vorankommen muss. Unser Wetterbericht ließ uns ungefähr 3 Tage unter Motor erwarten, sodass wir vor der Abfahrt nochmal ein paar Kanister mit Diesel nachkauften um für alle Fälle gerüstet zu sein.

Während der ersten Tage bot sich nachts ein besonders starkes Schauspiel vom Meeresleuchten. Dies wird von kleinen Mikroorganismen, die teilweise zu den Algen gehören, ausgelöst wenn diese in Kontakt mit etwas kommen, wie zum Beispiel dem Rumpf oder den Bugwellen eines Bootes.

Nachts habe ich mal probiert das irre Leuchten vom Phytoplanktons aufzunehmen...Mit eher mäßigem Erfolg ;)
Nachts habe ich mal probiert das irre Meeresleuchten, ausgelöst von Algen die in Kontakt mit den Bugwellen kommen, aufzunehmen…Mit eher mäßigem Erfolg 😉

Während der vorausgesagten Flaute am dritten und vierten Tag der Passage, nutzten wir die Möglichkeit mal mitten im Ozean ein kleines Bad zu nehmen. Wirklich schwimmen konnte man es nicht nennen, eher ein Hinteer dem Boot an einer Leine im Wasser plantschen. Unglücklicherweise wickelte sich bei diesem Rumgedümpel unsere Angelleine um das Ruder, sodass ich nochmal in Wasser durfte und diese mit Maske und Bootshaken vom Ruder befreit habe. Alles mit mehr als 3000 Meter Wasser unter uns, aber es war glaube ich das klarste und blauste Wasser was ich je gesehen habe.

Abends boten sich spektakuläre Sonnenuntergänge hinter den Heck und morgen knallrote Sonnenaufgänge vor dem Bug. Abends wurde unser Bimini (das Sonnendach) immer geschlossenen, damit es gemütlicher wurde, und gegen Mittag geöffnet um in der langsam kälter werdenden Luft Sonne zu tanken. Unser Tagesablauf während der längeren Passagen war durch unsern Wachplan mehr oder weniger bestimmt. Zu dritt segelten wir mit einem Wachplan, bei den jeder drei Stunden auf Wache war und sechs Stunden Freizeit bzw. nachts logischerweise Schlafzeit hatte. Der Vorteil bei diesem Rhythmus und unserer Crew“stärke“, war dass unsere Schichten automatisch rotierten, sodass man nie die gleichen Schichten in zwei aufeinanderfolgenden Tagen hatte. Da wir einen relativ modernen Autopilot hatten, der an das Navigationssystem angeschlossen war, brauchten wir nicht selbst steuern, sondern mussten nur die Segelstellung korrigieren, falls der Wind sich veränderte oder auf dem Radar und AIS (automatischem Schiff Idendifikations System) nach anderen Objekten und Schiffen Ausschau halten.

Der Outdoor-Arbeitsplatz vor Sonnenuntergang
Der Outdoor-Arbeitsplatz vor Sonnenuntergang

Meistens passierte wenig und man konnte viel Zeit mit Musikhören oder Lesen verbringen. Nach ungefähr einer Woche fehlte mir einfach etwas Auslauf. Unsere Stimmung an Bord war wirklich spitze, einzig die mangelnde Bewegung machte mir etwas zu schaffen. Nachdem wir nur noch 1000 Meilen vor uns hatten fingen wir an regelmäßig unser Fortkommen zu feiern: 1000 Meilen vor uns, die Hälfte geschafft, 1000 Meilen geschafft und ab 600 Meilen zum Ziel fingen wir an alle 100 Meilen eine kleine Feier abzuhalten.

Und nochmal nach Sonnenuntergang.
Und nochmal nach Sonnenuntergang.

 

Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang - das ist die Frage. Aber eigentlich klar oder?
Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang – das ist die Frage. Aber eigentlich klar oder?

Nach ungefähr einer Woche fing die Temperatur auch stark zu sinken an. Die Wassertemperatur sank nun fast mit zwei Grad täglich, sodass ich widerwillig mir jede Nachtschicht etwas mehr anziehen musste. Zuerst nur einen Pulli, dann eine lange Hose, dann Socken und Schuhe, dann die Regenjacke, dann noch ein Fleece. Als wir die Azoren erreichten war die Wassertemperatur auf 18 Grad gesunken.

Es wird kälter...brrrr...Heizpils hilft.
Es wird kälter…brrrr…Heizpils hilft.

 

Endlich angekommen, aber keine Lust sich zu bewegen

Am 29. Mai kam schließlich nach 12 Tagen die Insel Faial im Morgengrauen in dicke Wolken gepackt in Sicht. Ich kam gerade zu meiner Morgenschicht um 6 Uhr aus dem Bett. Die letzten Tage verliefen besser als geplant, hatten wir im anfänglichen Wetterbericht eine Vorhersage mit Flaute für die letzten Tage, änderte sich der Wetterbericht (die wir täglich über Satellitentelefon abriefen) zum besseren, sodass wir bis vor die Hafenmauer von Horta segeln konnten.

Morgens angekommen in Horta auf Faial und gleich mal Regen...
Morgens angekommen in Horta auf Faial und gleich mal Regen…

Wir wurden gerade vom Rallye Team empfangen und Jan ging als Skipper an Land um die Einreiseformalitäten zu erledigen, da empfing uns auch schon der erste kalte europäische Regenschauer. Zum Glück waren wir schon fest und konnten uns ins Bootsinnere verkriechen.

Peter's Cafe Sport - the place to be - Bar der Weltumsegler ;)
Peter’s Cafe Sport – the place to be – Bar der Weltumsegler 😉

Die kleine Stadt Horta hat ein absolut interessantes Flair. Eigentlich ein totales Dorf, ruhig und geschützt gelegen am Fuße kleiner Berge. Man schaut auf den größten Berg Portugals der auf der Nachbarinsel Pico liegt. Aber trotzdem tummeln sich Segler, besonders zu dieser Jahreszeit aus aller Herren Länder. Aufgrund dieser Tatsache gibt es zwei wirklich herausragende Dinge hier: einmal die von Seglern verziehrte Hafenmauer, auf der sich jedes Boot, welches in der Regel eine erhebliche Strecke zurücklegen musste um hier anzukommen, in Form eines Gemäldes verewigt und das Peter Café Sport, einer Bar die ursprünglich viele Segler bei der Vermittlung von Handwerker für Reparaturen oder Suche von Ersatzteilen unterstützt hat. In diesem Café kann man Post empfangen, günstig guten Gin Tonic trinken oder einfach mit Seglern ins Gespräch kommen, alle eint die vorangegangen Überquerung des Atlantiks.

Der weltbekannte Wellenbrecher, der von den armen Seglern in Stand gehalten werden muss...
Der weltbekannte Wellenbrecher, der von den armen Seglern in Stand gehalten werden muss…

Eine weitere interessante Entdeckung von mir war, wie faul wir anfangs waren an Land zu kommen. So hatten wir uns alle unterwegs total gefreut mal wieder ein paar Schritte an Land gehen zu können, so wenig motiviert waren wir, nachdem wir unseren endgültigen Liegeplatz für die nächsten Tage erreicht hatten. Funktionierendes Internet war klischeehafterweise Priorität Nummer Eins. Als das dann erledigt war und wir uns alle kurz zuhause gemeldet hatten, brauchten wir doch noch eine Weile bis wir uns zumindest für eine Dusche entschieden. Wir hatten das unterwegs für eher zweitrangig erachtet und dementsprechend fanden wir es auch irgendwie unpassend direkt zur Dusche zu sprinten…Naja, haben wir dann doch noch gemacht.

Auch La Capitana bekommt Ihren Stempel auf der Mauer
Auch La Capitana bekommt Ihren Stempel auf der Mauer

 

Urlaub auf den Azoren

Auf Faial waren nun noch vier Tage eingeplant um allen Yachten genügend Zeit zum Ankommen zu bieten. Besonders die kleineren Boote brauchten etwas mehr Zeit für diese lange Etappe. Anschließend war etwas mehr als eine Woche von der Rallye Leitung für Inselhüpfen auf den Azoren vorgesehen.

Segeln in Sichtweite von Land...irgendwie anders :)
Segeln in Sichtweite von Land…irgendwie anders 🙂

In nun total kurz vorkommenden Tagesetappen und einer Übernachtetappe ging es nach Andra de Heroismo auf Terceira, Ponta Delgada auf Sao Miguel und Vila do Porto auf Santa Maria. Vom Worldcrusing Club wurden auf so gut wie jeder Insel Tagestouren angeboten, die Teil der Rallye waren. So konnte man mit vielen der anderen Teilnehmer in Kontakt kommen und sich über die vorangegangenen Erlebnisse austauschen. Abends blieb viel Zeit auch mal mit anderen die Städte zu erkunden.

Bull run auf Terceira
Bull run auf Terceira

 

Ananas-Plantagen auf Sao Miguel
Ananas-Plantagen auf Sao Miguel

 

Letzter Stop auf den Azoren Vila do Porto auf Santa Maria
Letzter Stop auf den Azoren Vila do Porto auf Santa Maria

 

Mit viel Wellen und Wind auf dem letzten Stück nach Europa

Nachdem wir nun fast eine Woche lang einige Inseln der Azoren in gemütlicher Atmosphäre kennengelernt hatten, sollte es am 9. Juni nun losgehen zur letzten Etappe von circa 800 Seemeilen, einer Dauer von ungefähr 5 Tagen, nach Lagos in Portugal. Diesmal zeigten wir unsere Ambitionen gleich am Start, man munkelte kurz, ob wir unser Motto we are not racing quasi über Bord geworfen hatten. Noch vor dem Start machten wir alles klar um unseren bunten Gennaker, ein Leichtwindsegel, zu setzten. Noch auf der Startlinie setzten wir diesen, nachdem wir kurz zuvor wie schon so oft in der Vergangenheit etwas Probleme beim Aufziehen den Bergeschlauches hatten. Wie man allerdings im Bild sieht, schafften wir es schlussendlich mit Erfolg. Leider war der Erfolg nicht von allzu langer Dauer, da der Leichtwind am Kap der Insel sehr böig wurde und die Windrichtung gerade 10 bis 20 zu weit aus nord-östlicher Richtung war um direkt Kurs mit dem Gennaker nach Lagos anlegen zu können.

Die letzten Tage vergingen wirklich wie im Flug, auch wenn wir auf einem Segelboot waren. Gegen Ende der Etappe frischte der Wind doch noch einmal erheblich auf und auch das Wellenbild veränderte sich derart, dass es besonders während der letzten Nacht und dem „Morgen danach“ kaum möglich war trocken im Cockpit zu sitzen. Einmal zu spät das Schiebeluk zum Bootsinneren zu spät geschlossen und schon war das ganze Wasser im Salon…Ärgerlicherweise verloren wir in dieser welligen und windigen Nacht, einen (zum Glück leeren) Dieselkanister und unseren im Segelsack eingepackten und an der Reling angebundenen Gennaker. Natürlich waren diese Verluste ärgerlich, wir allerdings froh, dass wir alle kerngesund in Portugal ankamen.

Now we are racing ;)
Now we are racing 😉

 

Bissl schief wird's nochmal...oder war ich schepp?
Bissl schief wird’s nochmal…oder war ich schepp?

Cabo Sao Vicente in Sicht – Lagos wir kommen

Gegen Nachmittags kreuzen wir das stark von der Berufsschifffahrt befahrene Verkehrstrennungsgebiet um das Cabo de Sao Vicente. Eine beeindruckende Steilküste mit einem der größten und lichtstärksten Leuchttürme Europas kommt in Sicht. 

Final Countdown to Europe, nach über 12 Monaten sind es nur noch etwas mehr als drei Stunden...
Final Countdown to Europe, nach über 12 Monaten sind es nur noch etwas mehr als drei Stunden…

Hinter dem Kap beruhigen sich die Wellen, der Wind bleibt, sodass die letzten Stunden am Wind segeln nach Lagos wirklich dahinrauschen. Gegen 19 Uhr werden wir von der Rallye Leitung mit kalten Sagres (dem portugiesischen Bier) begrüßt und wir feiern erstmal die Ankunft in Europa. Für mich nach zwölf Monaten Reisen um die ganze Welt, für Jan und Pirjo sogar nach zwei Jahren Reise durch die Karibik und den Osten der USA mit Ihrem Boot.

Wie wir in den nächsten Tagen entdecken werden hat die Algarve mit Ihrer teilweise steilen zerklüfteten aber auch von schönen Sandstränden gesäumten Küste einigen zu bieten. Einzig das Wasser ist mit seinen 16 Grad wenig einladend. Wir lassen es uns trotzdem nicht nehmen einen, wenn auch kurzen, Schwimmversuch zu unternehmen. Das Tauchen lassen wir an diesen Ort allerdings doch bleiben, obwohl das kurz angedacht wurde.

Algarve auch nicht schlecht...
Algarve auch nicht schlecht…

 

Travelbuddies united again!

Nachdem wir nun schon fast pünktlich und wie geplant am Donnerstag den 14. Juni in Lagos angekommen sind. Hab ich mich natürlich total gefreut, dass Sina ein langes Wochenende einrichten konnte und nun auch noch ankommen sollte. Ein Tag wieder voller Feierei! Gegen 23 Uhr ist dann auch Sina in Lagos angekommen und wir konnten gleich mal einen Platz zum Essen suchen, da wir nach unserer Ankunft wichtigere Dinge als Essen im Kopf hatten und nun alle leicht erreichbaren Restaurants schon wieder geschlossen waren. Wir waren nach etwas Laufen aber doch in der Lage ein noch geöffnetes Restaurant  zu finden.

Fast wie in der Karibik oder Indonesien oder Polynesien oder Neuseeland oder oder oder...
Fast wie in der Karibik oder Indonesien oder Polynesien oder Neuseeland oder oder oder…

Jan und Pirjo bereiteten Ihre Reise mit dem Auto nach Finnland vor und La Capitana wurde für Ihren Aufenthalt in der Werft vorbereitet. Nachdem alle Pflichten erledigt waren, getreu dem Motto der letzten Wochen: Important things first, waren die beiden noch so nett uns ein paar Orte ihrer Wahlheimat vorzustellen. So konnten wir auch in Lagos, Alvor und Portimao noch mal auf kleine Entdeckugnstour gehen, bevor es dann am Abend des 18. Juni wieder nach Frankfurt gehen sollte!

Die letzten Galerien zumindest vorerst:

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